Der Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz (LfV) Hessen, Roland Desch, war zur Anhörung des Innenausschusses zum Thema Gewalt und Extremismus in Hessen am 10. November 2010 im Plenarsaal des Hessischen Landtages als Experte geladen. Die schriftliche Stellungnahme, die auch auf der Seite des Hessischen Landtags nachzulesen ist, finden Sie hier.
In der Anhörung selbst wies Desch zusätzlich auf das differenzierte Verständnis des Verfassungsschutzes in Bezug auf den Begriff des Extremismus hin, der sich an der gesetzlichen Aufgabenstellung ausrichte. Die Akzentuierung auf Bestrebungen im Sinne des Verfassungsschutzgesetzes mache Unterschiede in der Bewertung gegenüber anderen Experten plausibel.
Entstehung von Extremimus
Das Wissen über die Entstehung von Extremismus sei auch für den Verfassungsschutz wichtig, um angemessen, ja erfolgreich damit umgehen zu können. Ebenso bedeutsam sei aber auch eine klare Definition dessen, was unter Extremismus zu verstehen sei. Dies erläuterte Präsident Desch mit Blick auf die verschiedenen Phänomenbereiche anhand ausgewählter konkreter Beispiele, die in der schriftlichen Stellungnahme nachzulesen sind. Er machte durch seine Ausführungen zu verschiedenen extremistischen Organisationen und Gruppieren deutlich, dass nicht nur der Verfassungsschutz, sondern auch andere Stellen an verschiedenen Stellen präventiv ansetzen wollen und müssen.
Extremistisches Potenzial in Hessen
Die Situation bezüglich extremistischer Bestrebungen in Hessen beschrieb und bewertete Desch als vergleichsweise günstig, aber keinesfalls so, dass die demokratische Gesellschaft beruhigt sein dürfe. Das Potenzial auch für die Anwendung von Gewalt ist leider auch in Hessen vorhanden. Die zwar in allen Phänomenbereichen überschaubaren Zahlen extremistischer Gewalttaten zeigen, dass sich dieses Potenzial auch in geeigneten Momenten entfalten kann.
Gerade deswegen betonte Präsident Desch die Notwendigkeit, die ideologischen Prozesse weiter intensiv zu beobachten und nach Möglichkeit einer Radikalisierung und Rekrutierung bzw. Mobilisierung durch Extremisten entgegenzuwirken. Dies sei im Bereich des Linksextremismus besonders schwierig, da auch im demokratischen Spektrum eine größere Akzeptanz für die von Linksextremisten aufgegriffenen Themen vorhanden sei. Gerade hier spiele auch Sprache eine maßgebliche Rolle.
Handlungsmöglichkeiten auch für das LfV Hessen
Mit Blick auf die Handlungsmöglichkeiten wies Desch darauf hin, dass Extremismus und damit verbundene Gewalt bei aller Anstrengung nicht auf Null zu reduzieren seien. Aber es ist aus seiner Sicht möglich, deren Dimension und Auswirkungen zu begrenzen. Dazu ist es wichtig, den Einstieg in eine extremistische Karriere zu verhindern. Nur als letzte Maßnahme sei der Ausstieg von Extremisten durch das LfV Hessen zu unterstützen.
Zwischen diesen beiden Polen gibt es aus Sicht von Präsident Desch eine Reihe weiterer Handlungsperspektiven, bei denen das LfV Hessen beteiligt sein kann, weil der Verfassungsschutz bereits heute in diesem Raum arbeitet. Aber alleine könne das LfV Hessen eine erfolgreiche Prävention vor Extremismus aller Art nicht bewerkstelligen: Dies sei eine ganzheitliche Aufgabe, bei der Politik und Gesellschaft, staatliche Stellen wie das LfV Hessen und gesellschaftliche Gruppen und Initiativen, vor allem aber Bürgerinnen und Bürger gemeinsam agieren müssen. Ich werbe daher für das Vertrauen in den Verfassungsschutz und seine Arbeit und biete für das LfV Hessen an, unser Wissen und unsere Erfahrungen unter Beachtung des rechtlichen Rahmens allen Interessierten zur Abwehr und Eindämmung von Extremismus und Gewalt zur Verfügung zu stellen.